Chiemgauer Rundschau

Gemeinsam gegen die Agro-Gentechnik PDF
Geschrieben von: Inge Graichen   
Montag, 27. Juli 2009 um 00:00

Christophe Fischer von Zivilcourage in ObingChristoph Fischer und Beate Rutkowski im Festzelt Obing

Obing. »Wir selber müssen die Verantwortung übernehmen«, so der Aufruf Christoph Fischers von der »Zivilcourage AG« gegen den Einsatz der Agro-Gentechnik in der Landwirtschaft unseres Landes auf einer Informationsveranstaltung im Rahmen der Festwochen von TV Obing und Dirndlschaft Albertaich im Obinger Festzelt in Zusammenarbeit mit Obinger Mitgliedern von »Zivilcourage«. Christoph Fischer ermahnte die Zuhörer aus allen Bevölkerungsgruppen dazu, sich gegen den Versuch von Monsanto und der restlichen großen Saatgutkonzerne zu wehren, mit der Verbreitung gentechnisch veränderten Saatgutes die Kontrolle über die weltweite Nahrungsmittelproduktion zu bekommen, zunächst durch den Zugriff auf die wichtigsten Futterpflanzen Raps, Soja und Mais, dem weitere Pflanzen folgen. Mit der Agro-Gentechnik werde die Industrialisierung der Landwirtschaft vorangetrieben, die bäuerliche Kleinstruktur zerstört.


Es gebe einen großen Unterschied zu anderen Bereichen der Gentechnik wie der medizinischen, erklärte Christoph Fischer: »Mit der Agro-Gentechnik werden Pflanzen entwickelt, die in die freie Natur entlassen werden und die die gesamte Pflanzenwelt verändern können.« Es werde behauptet, durch den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen mit Resistenz gegen das Unkrautvernichtungsmittel »Roundup« könne der Verbrauch von Spitzmitteln gesenkt werden. Die Entwicklung des Sojaanbaus in Argentinien beweise das Gegenteil, mehr Roundup sei nötig, um neu auftauchende Arten von Unkräutern bekämpfen zu können. »Die Einführung der Sojasorte Roundupready nützt also Monsanto, dem Hersteller von Roundup und dem dazu passenden gentechnisch veränderten Soja, nicht aber den Menschen in Argentinien und anderswo.« In welche Richtung die Konzerne gehen wollten, zeige der Antrag Monsantos bei den zuständigen US-Behörden, eine Soja-Sorte zuzulassen, die mit Agent Orange gespritzt werden kann, dem ehemals in Vietnam im Krieg eingesetzten Entlaubungsmittel.

In Europa habe man noch die Chance, eine gentechnikfreie Landwirtschaft zu erreichen, wenn informierte mündige Bauern und Verbraucher entsprechend handelten. »Deswegen ist es gut, dass ab September 2009 der Film »Leben außer Kontrolle« beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband angefordert werden und damit unsere Information in die Schulen getragen werden kann.«

Als Verbraucher Gentechnik vermeiden

Zuvor hatte Beate Rutkowski, Biologin und Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz im Landkreis Traunstein den gegenwärtigen Stand des Einsatzes von Gentechnik in der Lebensmittelproduktion skizziert. Der Anbau vom Mais MON 810 sei vorerst gestoppt, doch es gehe weiter mit Zulassungsanträgen und Freisetzungen anderer gentechnisch veränderter Pflanzensorten. Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland zum Verzehr zugelassen seien, dann müssten Lebensmittel, die diese Pflanzen oder Bestandteile daraus enthalten, auch gekennzeichnet werden, aber nur, wenn der Anteil des gentechnisch veränderten Bestandteiles 0,9 Prozent übersteigt. Damit gehe die Industrie dann bei Verunreinigungen keine Gefahr von Verlusten mehr ein. Über die Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen in der Nahrung auf Mensch und Tier gebe es viel zu wenig Forschung, bilanzierte Beate Rutkowski. »Das grundsätzliche Problem bei der Gentechnik ist: Wir versuchen, ein System zu beeinflussen und zu verbessern, das wir noch nicht verstanden haben. Wie eine gentechnisch veränderte Pflanze nachher aussieht, wie sie sich verhält, welche Eigenschaften sie hat, kann niemand sagen. Gentechnik ist eine Versuch-und-Irrtum-Technologie und wir alle sind die Versuchskaninchen.«

In dieser Lage stellten sich viele Menschen die Frage, wie sie Gentechnik vermeiden könnten. Denn 80 Prozent der Verbraucher wollten keine Nahrungsmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen. Wenn man großteils auf Fertigprodukte verzichte, sich bemühe regional einzukaufen und Bio-Lebensmittel bevorzuge, komme man sicher am wenigsten in Berührung mit gentechnisch veränderten Stoffen. Wenn man die Produzenten unterstützen wolle, die gentechnikfrei wirtschaften, müsse man eindeutig gentechnikfreie Lebensmittel nachfragen und auch bereit sein, den Preis für diese Sicherheit zu bezahlen. Beate Rutkowski wies darauf hin, dass der Bund Naturschutz eine Kampagne laufen hat, bei der Nummer 1 im Lebensmittelhandel Edeka einzufordern, dass mehr Produkte mit dem Label »Ohne Gentechnik« in den Regalen auftauchen. Viele Veranstaltungsbesucher folgten schon vor Ort Rutkowskis Aufruf, die entsprechenden Karten zu unterschreiben.

Der Abend klang aus mit guter Unterhaltung von den Musikkabarettistinnen »Die Prima Tonnen« und Edeltraud Rey, unter anderem mit der gelungenen Parodie auf den »Musikantenstadl« und dem auf die unterschiedlichen Typen der Männerwelt abgewandelten »Hüatermadl«. Ebenso wie die Obinger Musikgruppe »Logisch Boarisch« und die »Obinger Goaßlschnoizer« unterstützten die Künstlerinnen die Veranstaltung durch ihren Auftritt ohne Gage.

Bild1: Im Obinger Festzelt konnte Christoph Fischer von der Zivilcourage vieler Bürger und Bauern gegen die Agro-Gentechnik berichten

Fotos von Inge Graichen

 

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