Chiemgauer Rundschau

Sterntaler zirkuliert schneller als Euro PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Knoll   
Montag, 23. März 2009 um 00:00
Franz GallerRegionalwährungen erfreuen sich in ganz Deutschland immer größerer Beliebtheit. Im Berchtesgadener Land ist es der Sterntaler, der mehr und mehr Freunde bekommt.

Berchtesgadener Land. Im Prinzip ist Regionalgeld eine ganz einfache Sache. Man tauscht Euro im Verhältnis von eins zu eins gegen Regionalgeld. Mit diesem Geld kann man nun einkaufen gehen.Allerdings nur in der Region Berchtesgadener Land und nur in Geschäften, die die Regionalwährung auch annehmen. Das Ergebnis ist eindeutig und positiv: Das Geld zirkuliert schneller. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt. Es entstehen neue soziale Bezüge und Beziehungen zwischen Konsumenten und Wirtschaft.

Sterntaler wird schneller ausgegeben

Es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen für regionales Geld. Im deutschsprachigen Raum zirkulieren schon über 35 Regionalgelder. Etwa 30 bis 50 weitere planen die Herausgabe. Aktuell laufen beispielsweise im Berchtesgadener Land schon über 40.000 Sterntaler um. Im Startjahr 2004 waren es durchschnittlich nur 7.000. Diese erzeugten bereits rund 100.000 Sterntaler regionalen Umsatz und über 300 Neukunden bei rund 70 Unternehmern. »Heuer rechnen wir mit einem regionalen jährlichen Umsatz von über einer Million Sterntalern«, so der erste Vorsitzende der Regio-Star, Franz Galler. Dies komme daher, weil sich die Zahl der teilnehmenden Unternehmer mehr als verdoppelt hat und weil der Sterntaler ungefähr drei Mal schneller wieder ausgegeben wird als der Euro, so Galler. »Für das erwartete starke Wachstum sehen wir uns bestens gerüstet und dies aus zwei Gründen: Erstens haben wir mit der sozialen Genossenschaft RegioSTAR eG einen passenden wirtschaftlichen Träger geschaffen. Zweites besteht seit 1. Januar 2008 mit dem benachbarten Regiogeld Chiemgauer (in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein) eine verwaltungstechnische Fusion und Kompatibilität. Das heißt: zusammen über 800 Unternehmen und zirka 3.000 Regiocards.

Die Abwicklung in unbarer Form mittels Regiocard läuft über eine Kontenlösung mit heimischen Banken. Regionalgelder wollen den Euro nicht ersetzen, sondern ihn dort ergänzen, wo er seine Schwächen hat. Globale Währungen wie der Euro fließen durch den »eingebauten« Wachstums- und Renditezwang zumeist sehr schnell aus der Region ab. Denn mehr Rendite wird in den Zentren und nicht in den Regionen gemacht. Das gilt national und international. Weltweit fließt ein Großteil des mobilen, anlagebereiten Geldes in die prosperierenden Länder wie beispielsweise nach China und Südostasien. Der Sterntaler hingegen ist ein reines Tauschmittel, das in der Region verbleibt.

Ziel: Förderung der regionalen Wirtschaft

Ziel des Sterntaler ist die Förderung der regionalen Wirtschaft im Sinne der lokalen Agenda 21, also aktive Einbindung der Bevölkerung, Stärkung regionaler Identität, Verbesserung der Lebensqualität und des Dienstleistungsangebotes, Förderung sozialer Bezüge, Verbesserung der regionalen Wertschöpfung und regionaler Einkommen, kurze Wege, Schließung regionaler Stoffkreisläufe. Zielgruppe sind inhabergeführte Unternehmen, zumeist kleinere und kleinste Betriebe, welche durch die zunehmende Globalisierung immer mehr zu den Verlierern zählen. Denn diese führe zu einem Ausbluten der Innenstädte und Wegbrechen von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, so Galler.

Gleichzeitig ist die Regionalwährung für regional orientierte Verbraucher da, die bereit sind, ihr eigenes Einkaufsverhalten zu hinterfragen, teilweise zu verändern, dies vorzuleben und damit weiterzugeben. Der Sterntaler baut ein Netzwerk zwischen Unternehmern und Verbrauchern auf, so Galler: »Das gelingt uns immer besser. In etwa fünf Jahren machen im Berchtesgadener Land bereits 600 Mitglieder und 175 Unternehmer mit, von der Apotheke bis zum Steuerberater, vom Waren-Lagerhaus bis zum kleinen Laden an der Ecke.«

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Rupert Nachrichten.
Bild: RegioSTAR-Vorsitzender Franz Galler bei einem Vortrag (Foto von Leippe)

 

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