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Rohrdorf. Über 750 Gäste hörten das Jahreskonzert der Musikkapelle Rohrdorf – 65 Mitwirkende glänzten als symphonisches Blasorchester von hoher Qualität. Manchmal, so gab Ulf Lohmann, der Ansager des Konzertabends zu, habe er nicht so recht gewusst, wo Michael Morgott als Dirigent des Orchesters bei seinem gewählten Motto »Heimatgefühle« mit russischen Komponisten und italienischen Polkas eigentlich hin wollte – doch mit einem klassischen ubi bene ibi patria (wo es mir gut geht ist mein Heimatland) gelang ihm selbst bei Rachmaninoff und seiner charmanten »Italian Polka« einen Bezug zur Heimat herzustellen. Rührend, wie Musikvorstand Hans Osterhammer in seinen Begrüßungsworten ebenfalls das Motto des Abends aufnahm. Er sagte, das neue Musikheim sei die Heimat der Kapelle und sie sei schön: »Do samma dahoam, do g’hör ma hi«. Ob die neuen, allen musikalischen und didaktischen Anforderungen gerecht werdenden Probenräume zu einer weiteren Steigerung der orchestralen Leistung der Musikkapelle geführt haben oder ob sich die Musikanten abermals von Michael Morgott zu noch mehr Spitzenleistungen motivieren ließen, sei dahin gestellt – das Konzert in der vollbesetzten Rohrdorfer Turner Hölzl Halle wurde rundum zu einem akustischen Genuss.
Mit exakten Fanfarensignalen in SängerkriegMit exakt gestoßenen Fanfarensignalen führte das hohe Blech in den Festlichen Marsch aus »Thannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg« von Richard Wagner ein, in dessen weiteren Verlauf auch Posaunen, Hörner und Tuben so richtig schwelgen konnten ohne schwülstig zu werden. Dass die Wartburg in Thüringen dem bayerischen König Ludwig II als Vorbild für sein Schloss Neuschwanstein diente, mag für manchen Zuhörer neu gewesen sein.  Jean Sibelius’ symphonische Dichtung »Finlandia« schildert zunächst in bedrückenden Tönen die jahrhunderte lange Unterjochung durch russische und schwedische Besatzer. Den Freiheitskampf der Finnen beschreiben kriegerische Fanfaren und kräftiger Schlagzeugeinsatz, die – direkt wohltuend – durch ein warmes, fast zärtliches, liebendes Gemälde der finnischen Heimat durch das Holzregister abgelöst wurden. Das trotzdem etwas düster bleibende Eindruck des wichtigsten musikalischen Epos der finnischen Geschichte wurde anschließend aufgeheitert durch die leichte, charmante, einem neapolitanischen Volkslied nachempfundene »Italian Polka« von Sergej Rachmaninoff. Zu Ehren Giacomo Puccinis, dessen 150. Geburtstag heuer gedacht wird, kam ein Querschnitt seines bekanntesten Werkes »La Bohéme« zur Aufführung. Dieses Stück birgt so manche Tücken für ein Blasorchester – auch die Gefahr, bei einigen »Ohrwürmern« zu sehr in Lautstärke zuzulegen und gleichzeitig im Tempo nachzulassen. Doch Michael Morgott gelang es, das ihm willig und exakt folgende Orchester über alle »Stolpersteine« weg zu führen und eine runden, harmonischen Opernquerschnitt zu gestalten.
Englische Volkstänze bearbeitete der Australier Percy Aldrige Grainger zu entzückenden kleinen Werken, die – wie »Shepherd’s Hey« – eine Schäfermelodie ständig wiederholen ohne aufgrund wechselnder Instrumentierung langweilig zu werden. Mancher Zuhörer fühlte sich direkt auf die britischen Inseln versetzt oder glaubte, Square Dances aus den USA zu hören.
In der »Bohemian Rhapsody« von Freddy Mercury konnten sich alle Musikanten wieder finden, stellt sie doch eine Aneinanderreihung verschiedener unabhängiger Musikteile dar. So wurde der A-Capella-Eingang sehr weich und einfühlsam vom Holzregister vorgetragen, die Opernparodie des Mittelstückes bestritten hohes und tiefes Blech und im abschließenden Hard-Rock-Teil konnten die sieben Mann Percussion zeigen, »was sie draufhaben«. Erst Bernstein, dann stürmen die NormannenDes 90. Geburtstages des Komponisten gedachte die Musikkapelle mit Auszügen aus der »West Side Story« von Leonard Bernstein. Ob ein zu Tränen rührendes Flötensolo »Maria«, ein warmes »Tonight« im Holz oder ein fetziges, fröhliches Tutti »America« – die Zuhörer ließen sich wirklich mitreißen in das New York der 50er Jahre, in das Bernstein die Shakespear’sche Tragödie um Romeo und Julia versetzte. Noch mehr Schwung, noch mehr Tempo: Zum Abschluss des Konzerts die Filmmusik zu »Robin Hood, König der Diebe«. Hier konnte man die Attacken der Normannen mit heftigem Paukeneinsatz miterleben, die Zärtlichkeit Robins zu seiner geliebten Marian in gefühlvollen Flötenpassagen und letztlich stellte das hohe Blech das triumphale Auftreten König Richard Löwenherz mit festlichen Fanfarenklängen dar. Nicht nur zwei Zugaben erklatschte sich das begeisterte Publikum – es musste eine dritte sein, eine Hommage an Giacomo Puccini: Nessun dorma aus seiner Oper »Turandot« – als Zugabe bezeichnend für den hohen Leistungsstand der Rohrdorfer Musikkapelle.
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