|
Obinger Gemeinderat: Positive Signale für Solarenergie-Testfeld und Freiflächenanlagen – Zögern bei weiteren Bürgersolaranlagen Obing. Die Nutzung der Solarenergie spielte eine herausragende Rolle auf der Obinger Gemeinderatssitzung – die Gemeinderäte reagierten positiv auf das Vorhaben, ein Testfeld für Photovoltaik und Solarthermie in der Nähe von Schabing zu installieren, und befürworteten die Weiterführung des Bauleitplanungsverfahrens für Photovoltaikfreiflächenanlagen. Dagegen herrschte immer noch Skepsis vor gegenüber dem Antrag der Bürgersolargesellschaft »Sonnenenergie Obing«, weitere kommunale Dächer zur Verfügung stellen.
Christian Vodermayer von der BEC-Engineering GmbH stellte das Projekt vor, auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche bei Schabing auf mehreren Hektar ein qualitativ hochwertiges Forschungsfeld für Solarenergie aufzubauen, in erster Linie für Photovoltaik und in zweiter Linie für Solarthermie und solarthermische Kraftwerke. Der größte Teil der speziellen Versuchsaufbauten werde vier Meter Höhe nicht überschreiten, könnte in Einzelfällen jedoch sechs Meter erreichen, informierte Christian Vodermayer und erläuterte die besondere Eignung der ins Visier genommenen Fläche: »Damit optimale Testergebnisse erzielt werden können, muss das Gelände eben und frei sein, die Anlagen gut und gleichmäßig hinterlüftet und nicht verschattet werden.« Eine große Nähe zu Siedlungen würde sich durch Reflexionen und andere Beeinflussungen der Ergebnisse negativ auswirken. »Andererseits ist die Nähe zur Betriebsstätte wegen der datentechnischen Anbindung und der regelmäßigen Kontrolle wichtig.« Vodermayer betreibt am elterlichen Hof eine Zweigniederlassung der auf wissenschaftliche Dienstleistungen im Bereich der Solarenergie spezialisierten Ingenieurfirma BEC-Engineering. Christian Vodermayer betonte, dass vor allem bei Photovoltaikmodulherstellern ein großer Bedarf an Testungen und Messungen bestehe. »Mit unserer Anlage wäre die Region federführend in einem zukunftsweisenden technologischen Bereich«, stellte er heraus und verwies auch auf die sich daraus ergebenden Gewerbesteuereinnahmen. Auf Anfrage von Gemeinderätin Fanny Mayer versprach er, dass die Gewerbesteuer auf jeden Fall im Landkreis bleiben werde, die Aufteilung zwischen den Gemeinden Obing und Schnaitsee müssten die Gemeinden selbst regeln – das vorgesehene Testfeld liegt zu einem Teil im Gemeindegebiet Schnaitsee. Gemeinderat Thomas Breu sah in dem Projekt einen Beitrag zu dem Ziel, den Landkreis bis 2020 allein mit regenerativen Energien zu versorgen, die Fläche unter Modulen werde eher ökologisch aufgewertet und in einem gewissen Maße der Natur zurückgegeben, der Boden nicht versiegelt. Obings Geschäftsleiter Ludwig Mörner wies auf die Probleme hin, die sich für die notwendige Änderung des Obinger Flächennutzungsplans daraus ergeben, dass die Anlage landesplanerisch wie eine normale Photovoltaikfreiflächenanlage zur Stromerzeugung zu beurteilen ist und dabei das Gebot zu beachten wäre, solche Anlagen an besiedelte Bereiche anzubinden oder vorbelastete Standorte zu nutzen. Per Beschluss signalisierte der Gemeinderat die Unterstützung des Vorhabens, ein Testfeld für Photovoltaik und Solarthermie in der Nähe von Schabing zu installieren. Bei einem Ortstermin mit den im Landratsamt für Bauleitplanung und Naturschutz Zuständigen soll der vorgesehene Standort bezüglich der Fernwirkung und des Landschaftsbildes und weiterer landesplanerischer Erfordernisse beurteilt und gegebenenfalls ein Verfahren zur Begutachtung eingeleitet werden, um nachzuweisen, dass keine die landesplanerischen Gebote besser erfüllenden Standorte im Gemeindegebiet vorhanden sind. Einen in ähnliche Richtung gehenden Beschluss fasste der Obinger Gemeinderat für die Weiterverfolgung des auf die Stromerzeugung gerichteten Photovoltaik-Freiflächen-Vorhabens von Dr. Johannes Hintz. Das bisher vorgesehene Gebiet stehe nicht mehr zur Verfügung, daher sollten zwei mögliche Standorte bei Thalham und Voglöd untersucht werden, informierte Bürgermeister Hans Thurner. Des Weiteren war man sich einig, dass der Gemeinderat insgesamt eine Position zu möglichen Standorten für Freiflächenanlagen entwickeln müsse. Weitere Bürgersolaranlagen auf kommunalen Dächern ?Das Thema Bürgersolaranlagen auf kommunalen Dächern wurde in der Bürgersprechstunde von Bernd Middel. dem Geschäftsführer der »Sonnenenergie Obing« aufgegriffen; er erkundigte sich nach dem Stand der Behandlung des von ihm im Namen der Betreiber der Bürgersolaranlage auf dem neuen Feuerwehrhaus Anfang November des letzten Jahres gestellten Antrages an den Gemeinderat, die Gemeinde Obing solle weitere kommunale Dächer für den Betrieb von Bürgersolaranlagen zur Verfügung stellen. Er könne nicht verstehen, dass bei der Klärung der technischen Probleme mit der Funkalarmierung der Feuerwehr der Geschäftsführer der Bürgersolargesellschaft nicht einbezogen werde, obwohl Vermutungen geäußert worden seien, die Photovoltaikanlage auf dem Dach sei die Ursache. »Der Trick ist wirklich gut – man kann sagen, wir wollen ja etwas für die Nutzung regenerativer Energien durch die Unterstützung von Bürgersolargesellschaften tun, aber leider sind noch nicht alle Detailprobleme abschließend geklärt«, brachte Bernd Middel seinen Unmut zum Ausdruck und forderte einen Ortstermin mit allen Betroffenen und Fachleuten. Diesen Vorschlag griff Bürgermeister Hans Thurner auf und kündigte die Umsetzung in der nächsten Woche an. Gemeinderat Thomas Breu drückte die Hoffnung aus, dass nun endlich wieder ins Blickfeld gerückt werde, worum es der Politischen Alternative Obing (PAO) bei ihrer Initiative für die Nutzung kommunaler Dächer durch Bürgersolargesellschaften gegangen sei. »Es geht nicht darum, dass sich einige Bürger eine ‚goldene Nase’ verdienen können, sondern als Gemeinde einen Beitrag zu leisten für das Ziel, den Landkreis Traunstein bis 2020 vollständig mit regenerativen Energien zu versorgen und in diesem Prozess möglichst viele Bürger zu beteiligen.« Immerhin habe die Anlage der »Sonnenergie Obing« bereits bis jetzt zur Einsparung von 23 Tonnen CO² geführt. »Ich erwarte vom Gemeinderat eine klare Aussage, ob er sich mit weiteren Dächern an der Nutzung der Solarenergie beteiligen will«, erklärte Thomas Breu. Gemeinderat Sepp Stettwieser machte deutlich, dass das nicht so einfach sein werde, denn »wir haben nur noch das relativ kleine Dach des Frabertshamer Feuerwehrhauses zur Verfügung, bezüglich der Schulgebäude haben wir einen grundsätzlichen Beschluss, dort keine Photovoltaik-Anlagen zuzulassen«. Der Obinger Gemeinderat erklärte sich bereit, den Bau des Geh- und Radweges an der Kreisstraße nach Kienberg von der Gemeindegrenze bis nach Stockham vorzufinanzieren. Im Finanzplan des Landkreises ist diese Maßnahme erst für das Jahr 2011 vorgesehen, die Gemeinden Kienberg und Obing möchten jedoch den Kanalbau für die Durchführung der Baumaßnahme nutzen. Der entsprechenden Vereinbarung mit dem Landkreis, die auch die Übernahme der Verkehrssicherungspflicht – z.B. Winterdienst – beinhaltet, stimmte der Gemeinderat Obing zu.
|