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Geschrieben von: Inge Graichen
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Dienstag, 22. Dezember 2009 um 00:00 |
Buchautorin Claudia Hempel bei der Friedensinitiative Traunstein Traunreut Trostberg
Trostberg. Für die meisten Eltern ist es ein nur schwer verträglicher Schock, wenn sie bemerken, dass eines ihrer heranwachsenden Kinder dabei ist, sich der rechtsextremen Szene zuzuwenden, oder sich ihr bereits zugehörig fühlt. Sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, dass ihr Kind politische und weltanschauliche Ansichten hat, die sich von ihren eigenen sehr stark unterscheiden, und einer Jugendkultur anhängt, die sich im familiären Zusammenleben stark auswirkt. Die meisten Eltern fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen, pädagogische Beratungsstellen ordnen das Verhalten rechtsextremer Jugendlicher oft eher als »Jugendstreiche« ein.
Die Journalistin und Filmemacherin Claudia Hempel aus Dresden hat sich dieser Probleme angenommen und in dem Buch »Wenn Kinder rechtsextrem werden« betroffene Eltern zu Wort kommen lassen. Auf Einladung der Friedensinitiative Traunstein Traunreut Trostberg und des Stammtisches gegen Rechtsradikalismus im Landkreis Traunstein in Zusammenarbeit mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus des Bayerischen Jugendringes kam Claudia Hempel nach Trostberg in den Evangelischen Gemeindesaal, um an den von ihr festgehaltenen Einzelfällen darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Wachsamkeit gegenüber dem Eindringen rechtsextremen Gedankengutes in die Normalität des Alltags ist – denn der Weg Jugendlicher in die rechte Szene ist oft schleichend und bleibt lange unbemerkt, eine plötzlich auftauchende »erschreckend abfällige Art, über andere Menschen zu reden«, kann oft schon ein Hinweis sein. Die Probleme machten auch nicht an der Haustür halt, sondern manifestierten sich im gesellschaftlichen Umfeld, so die Aussage von Renate Schunck vom Mitveranstalter Friedensinitiative Traunstein Traunreut Trostberg. Sie wies darauf hin, dass es auch in Traunstein Anzeichen für eine rechtsextreme Jugendszene gebe und bei Fällen von Jugendlichen, die zusammengeschlagen wurden, die Polizei einen rechtsextremen Hintergrund vermute.
Claudia Hempel stellte in ihrer Lesung Mütter vor, die auf das Abdriften ihrer Kinder in die rechtsextreme Szene nicht mit Scham und Verschweigen reagiert hatten, sondern »wirklich gekämpft haben, um Ihr Kind wieder aus ihrem Umfeld herauszuholen«. Diese Mütter suchten Rat von außen und gingen an die Öffentlichkeit, um auf das Problem der Verbreitung rechtsextremer Jugendkultur aufmerksam zu machen. Während Daniels Mutter von ihrem gesellschaftlichen Umfeld eher ausgegrenzt, ihr Problem nicht ernst genommen wurde, gelang es Sonjas Mutter in einer bayerischen Kleinstadt, andere ebenfalls betroffene Eltern zu mobilisieren und die Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher zu verunsichern. Sie machte sich zur »Expertin für die NPD« und konnte schließlich Sonja zum Ausstieg aus der rechtsextremen Szene bewegen.
Elternberatung der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus Claudia Hempels Anliegen ist es, betroffenen Eltern Mut zu machen, in dieser schwierigen Situation Hilfe zu suchen. Deswegen macht sie ihre Lesereise zusammen mit Helga Hanusa von der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus, die beim Bayerischen Jugendring angesiedelt ist. Helga Hanusa gehört zu einem Elternberatungsteam, das den Angehörigen von Kindern und Jugendlichen aus der rechtsextremen Szene individuelle Hilfe anbietet. Auch bei der Veranstaltung in Trostberg stellte sie ihre am Einzelfall ausgerichtete Arbeit vor. »Wir unterstützen die Eltern in dem Bestreben, die Beziehung zu ihrem Kind auf jeden Fall zu halten, und geben ihnen Mittel an die Hand zur scharfen Auseinandersetzung mit seinen inhaltlichen Positionen«, erläuterte Helga Hanusa. »Denn Probleme tauchen sehr oft umso drängender auf, wenn man sich in der Familie bisher nicht um Politik gekümmert hat.«
Gleichzeitig charakterisierte Helga Hanusa die Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen als wichtige gesellschaftliche Aufgabe, zu der sie zusammen mit ihren KollegInnen vor allem durch Informationen jeder Art Hilfestellung leistet. Die Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus stellt allen, die gegen Rechtsextremismus aktiv werden wollen, Informationsmaterial und Unterstützung durch Experten zur Verfügung. Kontakt unter Bayerischer Jugendring, Herzog-Heinrich-Straße 7, 80336 München, Tel. 089/5145838,
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. Die Elternberatung ist unter derselben Anschrift sowie Tel. 0151/23617782,
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zu erreichen. |
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