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Im Atelierhaus von Ekkehard Wiegand: Arbeiten aus 45 Jahren
Palling-Gengham. Im Atelierhaus Ekkehard Wiegands in Gengham zwischen Palling und Tittmoning haben Ausstellungen seiner neuesten Werke Tradition. Das Besondere in diesem Jahr: nicht nur die neuesten Skulpturen und Bilder erwarten den Besucher, Ekkehard Wiegand, feste Größe im Kunstleben der südostbayerischen Region, hat Arbeiten aus allen Jahrzehnten seines 45jährigen Schaffens in den zwei Stockwerken der Hausgalerie versammelt, auch einige wenige kleine Bronzeplastiken, die noch nicht die charakteristischen Züge tragen, die einem heutzutage signalisieren: Hier war Ekkehard Wiegand am Werk.
Ekkehard Wiegand ist in der Bildhauerei, in Bronzeguss und Holzgestaltung genauso gut zu Hause wie in der Malerei. Im Zentrum seines Schaffens steht das menschliche Gesicht, ins Dreidimensionale umgesetzt die Büste. Aussage über das Wesen des Menschen im Allgemeinen und im einzelnen ist sein Anliegen: „Ganz banal geht es um den Versuch, menschliches Sein zu verstehen – auch das eigene“, sagt Ekkehard Wiegand selbst. Bis auf einige ganz frühe Arbeiten bewegt er sich immer im Gegenständlichen, Körper und vor allem Gesichter sind zu erkennen, allerdings in unbedingter Stilisierung, in ganz eigener Formensprache, reduziert auf die Grundform des Profils oder der Vorderansicht, »ohne Ohren zum Hören, ohne Münder zum Sprechen, ohne Augen zum Sehen, ohne Hinterkopf zum Denken«, wie es Wiegand formuliert.
Ironische Weltsicht So ernsthaft die Auseinandersetzung mit den Grundzügen und Rahmenbedingungen menschlichen Lebens geführt wird, typisch für Ekkehard Wiegand ist, dass eine ironische Weltsicht vorherrscht, die aus dem Bewusstsein zu kommen scheint, dass man sonst an der Welt verzweifeln müsste. Denn so heiter viele Objekte Wiegands den Betrachter stimmen können, es gibt auch die unmittelbaren Reaktionen aufs Zeitgeschehen: »Dabbelju« aus dem Jahre 2003, dem Jahr des Zweiten Irakkrieges, zeigt ein Totengesicht im Soldatengewand, im Gemälde »Narrenspiel« von 2006 spielt der Narr mit der Schellenkappe inmitten von Soldaten mit der Bombe.
Humoristisches entsteht besonders oft, wenn Ekkehard Wiegand sich mit der Gestaltung von Gegenständen beschäftigt, die für den Käufer einen praktischen Nutzen haben und gleichzeitig Kunstwerk sind. In Stehpulte und kleine Abstelltische sind Büsten freundlicher Männer und lebenslustiger Frauen integriert, Hocker mit witzigen Accessoires laden dennoch zum Sitzen ein, die »Große Prinzessin« hält die Hand auf, damit der Besucher durch einen Obulus seinen finanziellen Beitrag zu der aufwändigen Ausstellung beitragen kann. Nicht ganz so funktional, aber zum »Begreifen« anregend: »Die unendliche Geschichte« – durch Kurbeln kommt immer wieder ein anderer Kopf zum Vorschein.
Die Exponate aus 45 Jahren sind eher nach Themen, Gegenständen angeordnet, dennoch schärfen sie den Blick für unterschiedliche Schwerpunkte in der künstlerischen Ausdrucksweise im Laufe der Jahre. Die hakennasigen Profile, fast ein Markenzeichen Wiegands, werden zunehmend abgelöst durch Portraits in flächiger Vorderansicht, ähnlich stark abstrahiert, bei den Büsten muss oft ein Auge genügen. Weniger weit geht die Reduktion bei den Gemälden – sie nehmen zwar in gewisser Weise die Formensprache der Skulpturen auf, übersetzen sie aber konsequent ins Flächige und in eine wunderbare durchscheinende Farbigkeit, oft bunt, aber niemals knallig, immer der Bildkomposition untergeordnet.
Der Weg nach Gengham 12 lohnt sich allemal, in der Fülle der Exponate wird jeder das Kunstwerk finden, das ihn persönlich berührt. Die Ausstellung dauert bis zum 19. Juli und ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag zwischen 16 und 19 Uhr zu besuchen oder nach telefonischer Vereinbarung unter 08629/1436.
Bilder Unendliche Geschichte (oberes Bild) Die unendliche Geschichte, 1994, Hölzer, Metalle etc.
Prinzessin (mittleres Bild) Große Prinzessin, 2007, Hölzer bemalt
Geheimnisvoller (unteres Bild) Geheimnisvoller, 2005, Hölzer bemalt, Metalle, etc.
Fotos: Graichen |