Peter Schwenk und Theo Scherling im Kulturhaus Holzapfel
Tacherting. Das Kulturhaus Holzapfel in Oberbrunnham bei Tacherting bietet Künstlern ideale Präsentationsmöglichkeiten – einen überschaubaren Ausstellungsraum und Aufstellungsmöglichkeiten in einem Freigelände, in dem viele Kunstwerke besonders gut zur Geltung kommen. Bei der gegenwärtig in Oberbrunnham laufenden Ausstellung nutzt der Bildhauer Peter Schwenk die Möglichkeiten des großzügig gestalteten Umfeldes des zum Kulturhaus umgebauten allein stehenden Bauernhofes und der wunderschönen Umgebung intensiv aus – die angrenzenden Wiesen sind von Kugeln aller Größen und Zusammensetzungen übersät, die mit dem Blick ins weite Land eine Symbiose eingehen. Lediglich drei kleine »Roundabouts« beleben den Innenraum, der ansonsten von den mehr oder weniger großflächigen Gemälden Theo Scherlings beherrscht wird.
Fundstücke und Assemblagen Die Ausdrucksformen des Bildhauers und des Malers sind unterschiedlich; der gemeinsame Nenner ist die Lust an Fundstücken, an der Verwendung verschiedenster Materialien in einem Kunstwerk, das so die Vielheit des Wirklichen unmittelbar in sich trägt.
»Mein Eldorado ist der Schrottplatz«, benennt Peter Schwenk den Ausgangspunkt seines Schaffens. Seit 1980 widmet er sich der Bildhauerei in seiner speziellen Art und Weise. Am Anfang stand die Montage von Fundstücken aus rostigem Stahl zu fantasievollen Assemblagen, dem eigenen Spieltrieb folgend. Eine weitere Werkgruppe bildeten die »freien Kompositionen« (Schwenk) von geometrischen Formen aus dünnwandigen Aluminiumplatten, jongleurhaft übereinander getürmt. Schließlich kehrt Schwenk zu den Fundstücken zurück, nur stellt er sich die jetzt selbst her und fügt sie in den Aluminiumgussskulpturen der letzten Jahre zusammen.
Der gegenwärtige Schwerpunkt der Formensprache Peter Schwenks liegt auf der Kugel – in ihr spiegelt sich die Unerschöpflichkeit der Wirklichkeit wider und sie entzieht sich jeder Festlegung. Gleichzeitig bietet sie eine unendliche Ausweitung der Möglichkeiten. Es gibt kein oben und unten, kein vorne und hinten der Skulptur mehr: Durch Drehen und »Auf-den-Kopf-stellen« ergeben sich immer wieder neue Ansichten, Einsichten und Geschichten, die vom Betrachter entdeckt und »gelesen« werden wollen. Dies gilt insbesondere für die »Erzählkugeln« und die »Roundabouts«, die prall gefüllt sind mit den unterschiedlichsten Gegenständen, vor Leben berstend.
Daneben gibt es die einheitlich zusammengesetzten Kugeln, aus Nägeln, Hufeisen und alten Autonummernschildern, aber auch extra für die Kugeln gefertigten Händen, Fischen, Blumen und geometrischen Figuren. Das Interessante für Peter Schwenk ist das Zusammenfügen; in ihm kann er den Spieltrieb ausleben, der als notwendiges kreatives Stimulans seiner Kunst erscheint. Für den Betrachter liegt der Reiz in der Entschlüsselung der Strukturen, des Ineinandergreifens der Details zum Gesamtkunstwerk.
Gegenständliche Qualität der Farbe
Theo Scherling, jetzt in Niederbayern lebend, hat in München bei Karl-Fred Dahmen studiert und seine gestische Malerei in der Nachfolge des Informel entwickelt. Doch das Konkrete verschafft sich immer wieder Zugang zur Leinwand, die Theo Scherling bearbeitet. Denn er ist ebenfalls ein Fundstückesammler, hat auch viele Objektkästen gefertigt. In seinen Bildern werden alte Fotografien verwendet, Stoffstücke, Sand, Papier der unterschiedlichsten Herkunft, sind Ausdrucksmittel und Ausgangspunkt von Gedanken und Assoziationen, die den Entstehungsprozess des Gemäldes vorantreiben. In der Entwicklung des Bildes kommt der Farbe eine besondere Rolle zu, sie ist nicht nur Teil der künstlerischen Sprache, sie hat ebenfalls gegenständliche Qualität. Zunächst einmal ganz materiell: Theo Scherling verwendet Erdpigmente, rührt sich seine Farben selbst an, nutzt unterschiedliche Konsistenzen für die Bildaussage. Gegenständliche Qualität der Farbe meint aber auch, dass sie den Entstehungsprozess des Bildes unmittelbar beeinflusst. Dies berücksichtigend erscheint die Aussage Scherlings in anderem Licht, dass Komposition und Farbe für ihn ganz traditionell die wesentlichen Faktoren für ein Bild sind.
Neben den großen Tafelbildern steht die Serie von Papierarbeiten im kleineren Format »unendlich und mehr«, Skizzen, zeichnerische und malerische »Fingerübungen« in den unterschiedlichsten Techniken, von Graphit-, Kreide-, Kohle- und Tuschezeichnungen bis zu Kollagen mit variierenden Oberflächen. Sie haben der Ausstellung in Oberbrunnham den Titel geliehen; der steht für die Unendlichkeit der Erfahrungen, die in den Kunstwerken eingefangen ist, und für die Unendlichkeit der Eindrücke, die der Betrachter aus ihnen empfängt.
Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis 19. Juli geöffnet und kann donnerstags und freitags von 17 Uhr bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 16 Uhr bis 20 Uhr besichtigt werden.
[Fotos von: Graichen] |