Chiemgauer Rundschau

Reise in das rätselhafte Wesen des Gelds PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marcus Gruber   
Sonntag, 13. September 2009 um 00:00

Der Schein trügtDer Schein trügt Dokumentarfilm von Claus Strigel. Am Dienstag, 15. September 2009, 22.35 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Am Samstag, 3. Oktober 2009, 22.40 Uhr in 3sat am Thementag »Geld«.

Der mehrfache Grimme-Preisträger Claus Strigel nimmt den Zuschauer mit auf eine Forschungsreise in die Welt des Geldes und lüftet seine Geheimnisse. Die folgenreichste Erfindung der Menschheit erweist sich als ebenso genial wie zerstörerisch. Ob Kartoffeln, Häuser, Waffen, Sex oder Krankenpflege, für Geld kann man alles kaufen - außer Verantwortungsbewusstsein und Liebe.

Wollen Sie in den Film schnuppern? Auf der Internetseite zum Film finden Sie einige Videos.


Woher kommen die Milliarden


Wenn wir einen Geldschein in die Hand nehmen, eine Überweisung veranlassen oder Zinsen zahlen, glauben wir, wir wüssten, womit wir es zu tun haben: mit Geld. Aber der »SCHEIN« trügt. Nur zwei Prozent der Billionen Dollar, die die Finanzmärkte täglich virtuell um den Erdball pumpen, werden zum Austausch von Waren oder Dienstleistungen benutzt. Wozu der Rest dient, dringt kaum ins öffentliche Bewusstsein.

Woher kommen die Milliarden, fragen wir uns, wenn wir von immer unvorstellbaren staatlichen Stützungskrediten für Banken und Industriekonzerne hören. Auf der einen Seite stottern kleine Leute mit Zins und Zinseszins ihre Kredite ab und haben Angst, ihr Geld könnte plötzlich nichts mehr wert sein. Auf der anderen pokern die Reichen und Mächtigen weiter um Milliardenbeträge, von denen keiner sagen kann, wodurch sie gedeckt sind.

Alles außer Liebe kann man kaufen

 
Der mehrfache Grimme-Preisträger Claus Strigel nimmt den Zuschauer mit auf eine Forschungsreise in die Welt des Geldes und lüftet seine Geheimnisse. Die folgenreichste Erfindung der Menschheit erweist sich als ebenso genial wie zerstörerisch. Ob Kartoffeln, Häuser, Waffen, Sex oder Krankenpflege, für Geld kann man alles kaufen - außer Verantwortungsbewusstsein und Liebe.

Der Finanzexperte, Währungshändler und Geldforscher Prof. Bernard Lietaer erzählt, wie mit der Einführung von Geld der Jahrtausende alte Gemeinschaftssinn einer afrikanischen Stammesgesellschaft zerstört wurden. Was weder Kriege noch Religionen oder kulturelle Einflüsse vermochten, Geld hat es in weniger als zehn Jahren geschafft.

Geht der Glauben verloren, so auch der Wert


Wenn wir über unseren Umgang mit Geld nachdenken, bewahrheitet sich der Satz, dass der Glaube Berge versetzt. Betrachten wir die Sprache des Geldes genauer, so fallen die religiösen Bedeutungen auf: Schuld und Schuldner, Glaube und Gläubiger, Credo und Kredit, Erlösung und Erlös. Der »Geldschein« ist ein Zaubermittel, das ohne unseren Glauben keinerlei Wert hat. Verliert der Gläubiger den Glauben an den Schuldner, so verliert dessen Schuldschein seinen Wert. Wenn in der Krise alle Sparer ihr Geld abheben wollen, zeigt sich, dass die Banken das Geld nicht haben. Sie brechen zusammen und mit ihnen der Markt.

Geld-Guru Bodo Schäfer verspricht seiner »Gemeinde«, es sei jedem möglich, in sieben Jahren die erste Million zu machen. Einzig müsse man die »richtige« Einstellung zum Geld haben.

Peter Spannbauer hingegen bereitet sich auf den Notfall vor. »Gold und Silber kann man nicht essen«, lautet seine Erkenntnis. »Wenn der Glaube an unser Geld ausreichend erschüttert ist, werden die Geschäfte in kürzester Zeit leer sein. Dann hilft nur noch der Katastrophenrucksack«, glaubt er.

Es braucht ergänzende Tauschsysteme und Währung


Der Schein trügtGeldforscher Lietaer vertritt die These, mit dem globalen, monopolistischen Geldsystem allein könnten die heutigen Probleme der Menschheit nicht mehr gelöst werden. Die Bekämpfung von Armut und Hunger, der Klimaschutz, Gesundheits- und Sozialdienste brauchen ergänzende Tauschsysteme, eigene Währungen.

Wie hilfreich solche Ersatzwährungen sein können, zeigt der Film anhand eindrucksvoller Beispiele aus Tirol, der Schweiz und Brasilien.

In einem Armenviertel am Rande der Stadt Fortaleza haben die Bürger ihre eigene Währung eingeführt: den »Palma«. Binnen kurzem blühten Handwerk und Handel auf. Vierzig solcher Parallelwährungen gibt es inzwischen in Brasilien. Und täglich werden es mehr. Paul Singer, brasilianischer Staatssekretär für Solidarische Ökonomie, sieht in diesen ergänzenden Währungen eine große Chance. »Die Macht des Geldes über die Menschheit wird abgelöst von der Macht der Menschen über das Geld«, so Singer.

 


Fotos von Marcus Gruber/BR

 

 

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