Chiemgauer Rundschau

Empfehlung: Donau-Taler als Marketinginstrument nutzen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Maximilian Kohler   
Sonntag, 25. Januar 2009 um 00:00

Gewerbeverbandschef Kohler spricht mit Gelleri100 Zuhörer konnten sich keinen besseren Kenner der Regiogeld-Praxis  anhören: Christian Gelleri gründete vor sechs Jahren den Chiemgauer, der zur erfolgreichsten Regionalwährung Deutschlands wurde.

Riedlingen  Den »Donau-Taler« für  das schwäbische Riedlingen und sein Umland schmackhaft machen, das sollte der Abend mit dem geschäftsführenden Vorsitzenden des Chiemgauer und dem Vorstandssprecher der Genossenschaft Regios eG erreichen. Der Sozialgenossenschaft obliegt die wirtschaftliche Abwicklung des Zahlungsmittels von Regionalgeldern. Derzeit ist die Regios eG Rechenzentrale für zwei Regionalgelder in Oberbayern: den Chiemgauer (Landkreise Rosenheim und Traunstein) sowie den Sterntaler, der im Berchtesgadener Land verbreitet ist.

Interesse, aber keine Begeisterungsstürme

Das Referat mit anschließender Diskussion war allerdings nicht angetan, spontane Begeisterungstürme für den Donau-Taler zu wecken, wobei sich durchaus Interesse und vereinzelt auch Zuspruch bemerkbar machte. Am 5. Februar will die Riedlinger Arbeitsgruppe um Initiator Josef Hoffmann zusammenkommen, um weitere Schritte für die Regionalwährung in und um Riedlingen abzuklären.
 

Chiemgauer-Gründer Gelleri berichtet über die Anfänge

Referent Christian Gelleri stellte seine Motivation für eine Regionalwährung vor.  Wie er den Chiemgauer mit sechs Schülerinnen 2003 ins Leben gerufen hat und beklagte die Entwicklung der Finanzmärkte, die enorm viel Geld binden würden. Lediglich 1,2 Prozent internationalen Geldes stecke im Güterhandel und 98,8 Prozent im Devisenhandel.

Wieso läuft der Chiemgauer schneller um als der Euro?

Die heimische Wirtschaft durch eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des Regionalgeldes anzukurbeln, war ein Grund, den Chiemgauer einzuführen. Dies soll durch den sogenannten Umlaufimpuls sichergestellt werden. Der Umlaufimpuls ist eine Gebühr die alle drei Monate immer dann fällig wird, wenn der Chiemgauer nicht weitergeben wird. Wird das Geld kurz vor Ultimo ausgegeben, muss der Empfänger dafür aufkommen. Dennoch könne er Gewinn daraus ziehen, wenn er etwa als Handwerker nicht ausgelastet sei und dadurch einen Auftrag bekomme, meinte Gelleri.

Was passiert mit den Abzugsbeträgen?

Bei Rücktausch in Euro fließen drei Prozent an die Vereine. Der Verbraucher entscheidet dabei, welchen Verein oder sozialen Zweck er fördern möchte. Dies wird auf der kostenfreien Regiocard notiert, damit man jeden Eintausch dem Förderzweck zuordnen kann. 2008 flossen gemeinnützigen Zwecken 32.000 Euro zu. Zwei Prozent sind für Verwaltung und Druckkosten zu berappen. Weitere zwei Prozent werden für den Unternehmer fällig, damit die Regiogeld-Initiative ihre Organisation aufrecht erhalten und Sachkosten – wie etwas das Anbieterverzeichnis – finanzieren kann.

Interessante Detailfragen

14 Sicherheitsmerkmale weist der Chiemgauer auf. Er ist auf Sicherheitspapier gedruckt und bislang nie gefälscht worden sei. Ein teilnehmender Unternehmer zahlt 100 Euro Jahresbeitrag.


Die Regionalwährung sei als Marketinginstrument zu betrachten, führte Gelleri aus. Und sie sei günstig. Werde der Chiemgauer schnell genutzt, komme eine gute Kosten-Nutzen-Relation heraus. Manche Betriebe zahlen ihren Mitarbeitern bereits einen kleinen Teil des Gehalts in Chiemgauer aus, etwa freiwillige Prämien oder das Weihnachtsgeld. Spenden an Vereine würden in Chiemgauer gezahlt. Grund: Man wünscht sich, dass die Vereine bei den ortsansässigen Unternehmen, dem kleinen Metzger von neben an, einkaufen.
Inzwischen denke man bei der Genossenschaft sogar an die Vergabe von Kleinkrediten zu niedrigen Zinsen nach. Dennoch: Den wirtschaftspolitischen und sozialen Aspekt der Regionalwährung wollte Gelleri im Vordergrund wissen, nicht den finanziellen.
 
Heute nutzen die Alternativwährung 600 Unternehmen in den oberbayerischen Landkreisen Rosenheim und Traunstein. Die Kaufkraft in der Region zu binden und ein Bewusstsein für sie zu schaffen, sei eines seiner Hauptziele so Gelleri. Dass Anbieter aufgrund des Chiemgauer auf regionale Produkte umgestiegen seien, berichtete Gelleri. Dadurch gäbe es kürzere Transportwege.


Mit dem Chiemgauer könne weder spekuliert werden, noch eigne er sich für den Devisenhandel. Vielmehr diene er zum Austausch von realen Dingen. Dieser Aspekt kam bei Einzelnen der mehr als 100 Zuhörer gut an.

Bildunterschrift: Der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins, Maximilian Kohler, und der Initiator des Donau-Taler, Josef Hoffmann, im Gespräch mit dem Referenten Christian Gelleri. Foto: Waltraud Wolf



 

Weltgeschehen